
Für Isabel
Ich lernte Isabel vor fast zwanzig Jahren kennen. Beim ersten Blick sagte ich — laut, ohne Plan: „Dich lasse ich nie wieder los.“ Ich wusste nicht, dass der Tod schon andere Pläne machte.
Wir verstanden uns sofort. Wo mir etwas fehlte, glänzte sie: Organisationstalent, Gespür für Geld, Küche auf Sieben-Sterne-Niveau — und dazu diese leise, selbstverständliche Schönheit. Wer sie nicht kannte, unterschätzte sie oft — vielleicht wegen ihrer zierlichen Statur. Wer ihr aber Raum gab, sah schnell, welche Kraft und Talente in ihr steckten.
Sie kam von der Insel Madeira und brachte all das mit, was ich an Portugal liebe: Liebe, Fürsorge, Leidenschaft, Zugewandtheit. Noch nie zuvor hat sich jemand so um mich gesorgt. Manchmal war es fast zu viel — und trotzdem genau richtig. Sie glaubte an mich, stärker als ich es tat. Ich habe ihr das nicht immer so gedankt, wie sie es verdient hätte. Das tut weh; es bleibt.
Isabel war ein guter Mensch. Einer von denen, die man gar nicht oft genug im Leben haben kann. Einer, der alle Liebe der Welt und ein langes, helles Leben verdient hätte. Im September 2018 endete ihr fast einjähriger Kampf gegen den Krebs. Seitdem fehlt sie. Jeden Tag, in allem. In den kleinen Handgriffen am Morgen. Im Klang der Küche. In der Art, wie sie mein Chaos ordnete, ohne mich klein zu machen.
Ich trage sie weiter: in Rezepten, in Listen, in Sätzen, die sie sagte, und in diesem stillen Mut, den sie mir beigebracht hat. Wenn ich koche, stelle ich den Teller so hin, wie sie es getan hätte. Wenn ich zweifle, frage ich mich, was sie jetzt planen würde. Und wenn es ganz still wird, höre ich ihren Atem im Haus, als wäre sie nur kurz im nächsten Zimmer.
Isabel, meine Süße — ich liebe dich.
Und ich lasse dich nicht los. Nur anders.
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