Das Tagebuch der Wanderer/ vier Jahre


Vier Jahre ohne Isabel.

Fast vier Jahre ist es her, dass mein Mädchen nach einem langen, schweren Kampf gegangen ist. Sie fehlt mir jeden Tag. Mein Zorn auf ihre unfähige Ärztin glimmt noch—nicht als Pose, sondern als Wunde, die nicht ganz schließt.

Ich versuche, mein Leben zu ordnen. Ohne Isabel ist das mühsamer. Sie war Struktur und Sinn in einem: die Liste am Kühlschrank, das Lachen in der Küche, der Blick, der mich wieder gerade stellte. Jetzt ist vieles nur Funktionieren.

Wütend bin ich auch auf ihre sogenannte Familie. Sie haben gegen ihren Willen entschieden, sie verbrennen lassen—und sie nicht nach Madeira gebracht, dorthin, wo sie hingehört, zu ihren Eltern, zu dem Meer, das sie geliebt hat. Stattdessen liegt sie hier, in der Fremde. Das tut weh, tiefer als Worte.

Und doch: Was immer ich tue, sie kommt nicht zurück. Also lerne ich weiterzuleben mit all dem, was bleibt—mit Bildern, Gerüchen, Sätzen; mit dem Geräusch, das die Wohnung macht, wenn niemand antwortet.

Ich trage eine Gewissheit in mir, leise, hartnäckig: Wir sehen uns wieder.
An einem Tag, der gut sein wird. An einem Ort, der nahe ist. Und dann halte ich sie wieder im Arm. Bis dahin gehe ich—schrittweise, unvollkommen, aber aufrecht—durch die Zeit, die mir bleibt.

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